Bericht zu KaPo- Anlass

Bericht zu Info-Anlass der Kantonspolizei --siehe -->> https://zi-suhr.ch/berichte/ unter Anlässe

Suhr | 05.11.2025

Was an diesem Abend zu hören war

Zäme wachsam mit der Kantonspolizei Aargau
Text und Bild: Doris Tanner-Eberhard
Der Verein «zäme in Suhr» hat sich zum Ziel gesetzt, Suhr zu einer lebenswerten Gemeinde und zu einer sorgenden Gesellschaft weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch das Thema der individuellen Sicherheit und dem Schutz vor kriminellen Aktivitäten. Die Menschen sehen sich zunehmend digitalen und analogen Herausforderungen gegenübergestellt; nicht zuletzt durch den rasanten Fortschritt und der grossen Bedeutung von künstlicher Intelligenz (KI). Ein neues Spielfeld für kriminelle Machenschaften.
Dies hat der Verein zum Anlass genommen, zusammen mit der Kantonspolizei Aargau den Anlass «Gemeinsam gegen Kriminalität: informiert – wachsam – sicher» zu organisieren.

Dass das Thema relevant ist, zeigte sich an der grossen Teilnehmeranzahl:rund 80 Suhrer:innen besuchten den Anlass am 20. Januar 2026 im Pfarreisaal der katholischen
Kirche in Suhr. Nach einer kurzen Einführung durch Gemeinderat Grischa Ruprecht führte Wm mbV Marco Dössegger die Anwesenden durch ein Potpourri an Themenfeldern. Anhand von konkreten Beispielen zeigte er auf, wie Menschen buchstäblich «übers Ohr gehauen werden», und wie schnell auch hochintelligente Bürger:innen einem Betrug aufsitzen können.

Kriminalität – wo sind wir direkt betroffen?

Beim Anlagebetrug geht es darum, Menschen mit unseriösen Renditeversprechen dazu zu bringen, Geld anzulegen. Das kann mit kleinen Beträgen beginnen, endet aber oft im Verlust einer schmerzlich hohen Summe. «Im Kanton Aargau betrug die Deliktsumme im Jahr 2025 über 23 Millionen Franken,» so Dössegger. Ein unvorstellbarer Betrag, der durch das Hinterfragen von solchen Angeboten hätte vermieden werden können. Der gesunde Menschenverstand weiss, dass Renditeversprechen von 20% in der heutigen Zeit unseriös sind. Marco Dössegger zeigte den Anwesenden zwei täuschend echte Werbevideos mit Roger Federer und Christoph Blocher, die ihren Anlageerfolg entspannt dem User/der Userin «bestätigten». Selbstverständlich wurden diese Botschaften mit künstlicher Intelligenz hergestellt und keineswegs von den bekannten Persönlichkeiten selbst.

Existiert mein Traummann wirklich?

Romance Scam ist ebenfalls eine weitverbreitete Betrugsmasche, um an Geld zu kommen. Mit einem gefälschten Profil – häufig versehen mit einem im Internet kopierten Foto – werden dem Opfer romantische Gefühle mit wunderschönen Texten und Emojis vorgegaukelt. Die Täterschaft weiss genau, wie sie einsame Menschen einfangen, umgarnen und dann schlussendlich zur Geldübergabe bringen kann.

«Eine rasche Google-Abfrage mit der Fotosuche zeigt schnell, ob der Traummann wirklich als Arzt in Afrika im Einsatz für notleidende Kinder unterwegs ist oder ob es sich um Heiri Müller handelt, der im Internet aus irgendeinem seriösen Grund Fotos veröffentlicht hat,» rät Marco Dössegger.

Wenn die «Polizei» anruft

Ruft ein falscher Polizist an,nutzt die Täter den Schockmoment des Opfers. Denn wer zuckt innerlich nicht zusammen, wenn die Polizei bei einem anruft und mit einer auf den ersten Moment glaubhaften Geschichte auf einen fiktiven Sachverhalt hinweist. Ohne viel Überlegen händigen die Opfer dann Geld und/oder Wertsachen an den «Polizisten» aus, der kurze Zeit später in Zivilkleidung an der Türe klingelt, sich «verdeckt ermittelnd» gibt und möglichst schnell wieder geht, um dem Opfer keine Möglichkeit zum Nachdenken gibt. «Die Polizei nimmt nie in solcher Angelegenheit telefonisch mit Ihnen Kontakt auf und verlangt nie die Herausgabe von Geld oder Wertsachen,» sagt der Kantonspolizist klipp und klar.

Richtiges Handeln ist wichtig

Generell gilt bei verdächtigen Telefonanrufen so schnell wie möglich aufzuhängen. Die Täter sind heute soweit, dass sie die Stimme des Gesprächspartners aufnehmen und später mit künstlicher Intelligenz in den gewünschten Text bringen können, um so z.B. Angehörige oder Geschäftspartner in die Irre zu führen.

Eine neue Form von Betrug hat sich auch im Bereich der Kleinanzeigen entwickelt. Heute ist es gang und gäbe unter Privaten Objekte über bekannte Plattformen zu verkaufen oder auch über die sozialen Medien. Hier geht es darum, dass der kriminelle Verkäufer mittels gefälschter Postquittungen vorspielt, er hätte die Ware verschickt und den Käufer so dazu bringt, das Geld zu überweisen. Dazu kommt, dass die elektronischen Zahlungsmittel wie TWINT so genutzt werden können, dass der Betrüger auch nach dem vermeintlichen Kauf Geld beziehen kann, dann jedoch gleich in grösseren Summen. Ein Scan des QR-Codes auf der Postquittung mit dem Smartphone zeigt schnell auf, ob es sich tatsächlich um eine echte Postquittung handelt.

Ein altbekanntes Problem sind die Trickdiebstähle. Anhand von zwei echten Ladenvideos zeigt Marco Dössegger, wie schnell es geschehen kann, dass das Portemonnaie aus der Handtasche des ahnungslosen Opfers geklaut wird. Dieses wird durch eine Täterin abgelenkt, während der Komplize blitzschnell in die Tasche am Einkaufswägeli greift. Auch hier wäre es einfach gewesen, das zu verhindern, indem man die Geldbörse nämlich immer auf sich trägt.

Durch die weite Verbreitung von Handys steigt auch die Gefahr, dass sich Täterin das Gerät reinhackenkönnen. Sie schicken an zufällig ausgewählte Telefonnummern eine SMS mit einem Verweis auf ein vermeintlich am Zoll hängengebliebenes Paket oder einen anderen administrativen Vorgang, der Gebühren nach sich ziehen könnte. Typischerweise fängt die Betrugsmasche mit Kleinstbeträgen an und steigert sich von SMS zu SMS zu ansehnlichen Summen. Der ganze Prozess geht so schnell, dass der Betrogene kaum zum Nachdenken und Hinterfragen kommt. Auch hier gilt: Absender ignorieren und blockieren.

Zum Abschluss zeigte Marco Dössegger auch auf, wie es um die Sicherheit in Suhr steht. Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg in den letzten drei Jahren von acht (Jahr 2023) auf 19 (Jahr 2025). «Rufen Sie bei einem Verdachtsmoment lieber einmal zu viel die Polizei an. Heute geht es nicht mehr, die Türe nicht abzuschliessen – unsere Gesellschaft hat sich leider verändert,» resümiert der Spezialist der Kriminalprävention.

Die Polizei an deiner Seite

Marco Dössegger verstand es ausgezeichnet die Anwesenden in seinen Bann zu ziehen. Mit Fakten, Sachverhalten und konkreten Beispielen führte er durch die vielfältigen Themen und zeigte auf, wie wir uns wirksam schützen können. Mit viel Feingefühl und Humor brachte er auch die weiche Komponente des Menschseins ins Spiel – wir handeln nach bestem Wissen und Gewissen und fallen manchmal (leider) trotzdem auf Betrügereien rein. Dössegger ist viel in Sachen Prävention unterwegs. Auch wenn die Polizei über soziale Medien, Print und andere Kanäle Aufklärungskampagnen verbreitet, zeigen die öffentlichen Anlässe am meisten Wirkung; denn der persönliche Austausch mit der Polizei ist nachhaltiger.

Die Kriminalprävention ist Teil der Kantonspolizei Aargau, die heute 773 Polizisten im Einsatz zählt, 105 Aspiranten:innen werden zurzeit ausgebildet. Sie bearbeiten durchschnittlich 450 Anrufe täglich, die über die Notrufzentrale hereinkommen und rücken rund 200 Mal pro Tag für unsere Sicherheit aus.

Gestärkt und bewusst für die eigene Sicherheit

Dass das Thema für die Suhrer:innen wichtig ist, zeigte sich nicht nur an der erfreulichen Teilnehmerzahl. Auch beim anschliessenden Apéro, den der Verein offerierte und vom Catering-Team des Pflegezentrums Suhr präsentiert wurde, kam man rege ins Gespräch.

Hansrudolf Frei, Suhr

Ich bin mir der Thematik schon sehr bewusst, aber ich finde es gut, dass es immer mal wiederholt wird – das Gedächtnis wird so gestärkt. Ich bin 80 Jahre alt und mache nicht alles mit. Aber man       muss auch mit der Zeit gehen und sich z.B. mit KI auseinandersetzen, sonst wird man «überholt» von der Technik.

Francine Rauch, Suhr und Christine Tsarnas, Buchs

Das Referat hat uns bestärkt, dass unser vorsichtiges Verhalten richtig ist. Zwei Mal überlegen und wachsam sein, das wurde uns wieder  bewusst gemacht. Im Umfeld haben wir schon  Betrugsfälle erlebt, wie z.B. den Anlagebetrug mit Roger Federer oder eine  Kreditkartenabbuchung nach einem Hacker-SMS.

Dorli Meyer und Werner Frick, Suhr

Wir finden solche Referate wichtig, um immer wieder an das Thema erinnert zu werden. Wir selber sind generell sehr vorsichtig, aber es ist gut, sich die Punkte immer wieder bewusst  zu machen.

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Grischa Ruprecht, Gemeinderat Suhr

Mit diesem gelungenen Anlass verabschiedet sich Grischa Ruprecht aus dem Vorstand des Vereins, um sich voll und ganz auf seine neue Funktion als Suhrer Gemeinderat zu konzentrieren. Sein grosses und   wertvolles Engagement in den letzten zwei Jahren, um den Verein zu gründen, aufzubauen und mitzugestalten, hat wesentlich zum Erfolg   beigetragen. Wir danken ihm von Herzen und wünschen ihm viel Erfolg in seiner neuen Rolle.


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